Drei Wochen Homeschooling sind geschafft und nun können wir uns dank der Osterferien zwei Wochen davon erholen. (Hamburg, Sachsen und das Saarland – ich leide mit Euch, dass Euch diese Pause nicht vergönnt ist). 

Meine Prognose ist, dass die Schulen auch nach den Osterferien geschlossen bleiben, daher haben wir uns diese Pause wirklich verdient!  

Drei Wochen lang haben diejenigen von uns, die von zu Hause arbeiten mit den drei großen „H“ – Homeschooling, Home Office und Haushalt – jongliert und sicher nicht nur einmal das Gefühl gehabt, dass die Belastung extrem hoch und die Wertschätzung extrem niedrig war.

Denn so romantisch die Vorstellung ist, dass Familien jetzt gerade zusammenrücken, viel Zeit miteinander verbringen und lernen, was wirklich wichtig ist, so sehr ist die Realität, dass sich viele berufstätige Eltern schulpflichtiger Kinder – und meistens die Mütter – gerade zerreißen, um in dieser Ausnahmezeit allen gerecht zu werden. 

Besonders der Schule und dem Unterricht ihrer Kinder zu Hause.

Denn das Homeschooling ist für viele Eltern nicht nur ein großer (und undankbarer) Kraftakt sie fühlen sich damit auch allein gelassen und überfordert. Wir haben vielleicht in der Vergangenheit schon mal bei den Hausaufgaben geholfen oder mit unseren Kindern für eine Klassenarbeit geübt. Aber wir waren noch nie über Wochen von morgens bis mittags/nachmittags Hauslehrer*in und haben den Schulbetrieb am Laufen gehalten. Ich habe mit meiner Homeschooling-Website versucht, Soforthilfe zu leisten, weiß aber, dass das auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein konnte. Den meisten Kindern fehlte besonders der Austausch mit ihren Lehrer*innen und Mitschüler*innen und in der Folge der Spaß am Lernen. 

Und wenn für Akademikerfamilien die Belastung schon so hoch ist, wie sollen sich erst Eltern fühlen, die selber keinen Abschluss haben oder der Aufgabe schlichtweg nicht gewachsen sind. Laut des Verbandes Bildung und Erziehung sind von 8.3 Mio. Schülern ca. 2.4 von Armut und sozialer Abgrenzung bedroht. Da fehlt es an Computern, Druckern und Eltern, die sich um das Homeschooling ihrer Kinder kümmern können. Von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund, die Probleme haben, die Aufgaben überhaupt zu verstehen, ganz zu schweigen.  

Nun kam die abrupte Schulschließung vor 3 Wochen für alle überraschend – besonders auch für die Lehrer*innen und Schulen – und niemand konnte sich richtig darauf vorbereiten oder hatte diese Ausnahmesituation schon mal geübt. Daher war die Toleranz in den letzten Wochen groß, wenn nicht alles reibungslos klappte. 

Und dennoch haben sich viele gefragt, wie es sein kann, dass die digitale Infrastruktur an unseren Schulen so rückständig und die Möglichkeiten, digitalen Unterricht zu machen, so unzureichend sein können, wo wir doch bereits seit vier Jahren über einen Digitalpakt sprechen und dieser vor ca. einem Jahr verabschiedet wurde. Was eh schon spät genug war. 

Ist da in der Zwischenzeit nichts passiert?

Nein. Oder positiver formuliert: Nicht wirklich. 

Im Mai 2019 hatte der Bund fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen zugesagt. Bis zum Februar 2020 wurden aber laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks bundesweit nur 40 Millionen Euro, also weniger als 1% der Gelder, abgerufen. Viele Bundesländer setzen die Förderrichtlinie des Bundes nur schleppend um, es stockt die Erstellung und Bearbeitung von Anträgen für die Verbesserung der digitalen Infrastruktur. Und auch die Konzepte für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften fehlen, die auf Wunsch der Länder in ihrer Hand bleiben sollten.

Das Ergebnis sehen wir jeden Tag gerade zu Hause. (Wobei auch hier die Spanne riesig ist zwischen Schulen, die virtuelle Klassenzimmer und regelmäßige Liveklassen zwischen Lehrkräften und Schüler*innen anbieten und Schulen, an denen die Lehrkräfte noch nicht mal eine E-Mail-Adresse haben). 

Nun will ich diese ungewisse und extreme Zeit gerade nicht missbrauchen, um auf die Politik zu schimpfen. Das ändert jetzt gerade nichts und die Energie spare ich mir lieber auf für die Zeit, wenn wir Corona im Griff haben, das Leben und die Schule wieder losgehen und wir dann hoffentlich mit Hochdruck die Missstände beheben, die jetzt so klar geworden sind.

Was ich aber machen möchte, ist laut die Frage zu stellen, warum sich unsere Bundesbildungsministerin Frau Karliczek und die Kultusminister der Länder (idealerweise gemeinsam) nicht mit einer großen Ansprache oder gar Dankesrede an die Eltern und Lehrer*innen richten, um ihnen für ihren unermüdlichen Einsatz zu danken. Und damit meine ich keine 10-zeilige dpa Meldung, die keiner mitbekommen hat. 

Die tägliche Herausforderung und Leistung, Schule gerade trotz mangelhafter technischer und inhaltlicher Ausstattung am Laufen zu halten und damit einen großen Beitrag zu leisten, dass der einzige Rohstoff, den wir auch in Zukunft in diesem Land haben werden – nämlich Bildung – nicht auch vom Virus lahmgelegt wird, wäre die große Chance für die Bildungspolitik gewesen, Präsenz zu zeigen und uns für die zweite Phase des Homeschoolings nach Ostern zu motivieren. 

Leider fehlt sie unentschuldigt.

One Comment

  • Nadine sagt:

    Liebe Verena, vielen Dank für diesen so wichtigen Artikel. Diese Fragen haben wir uns tatsächlich die letzten Wochen gestellt. Wir haben heute einen Dankesbrief von unserem zuständigen Kultusministerium in Baden-Württemberg weitergeleitet bekommen. Immerhin 🙂 viele Grüße und bleib gesund, Nadine

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