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Alles begann damit, dass ich vor ein paar Monaten die Erstausgabe der deutschen Wired in meinen Händen halten wollte und das nur über den Umweg „GQ-kaufen“ ging. Der Aufmacher mit Justin Timberlake „Deutsche Männer mögen kein Machogehabe“ war mein erster Berührungspunkt mit dem Thema „Wie ist Man(n) heutzutage“.
Dann bin ich in der „Welt“ auf einen Artikel auf der ersten Innenseite aufmerksam geworden: „Was wären wir ohne Machos“.
Dann noch ein langer (Rotwein)-Abend mit Freunden (Männern wie Frauen), an dem wir diskutiert haben, wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken.

All diese Impulse haben also dazu geführt, dass ich mich jetzt ernsthaft an das Thema „Männer“ wage. Damit kann man sich ungefähr so gut in die Nesseln setzen wie mit Themen wie „Kind und Karriere“, „Frauenquote“ oder „Euro-Rettung“. Denn die Meinungen gehen weit auseinander, sind stark subjektiv, emotional geprägt und es ist eigentlich von vornherein klar, dass einem tendenziell mehr Menschen widersprechen als einem zustimmen werden.

Und es so gut wie nichts zu gewinnen gibt.

Eigentlich gar nichts.

Aber wie Ihr Euch vorstellen könnt, stellt die Aussicht auf Gegenwind eher einen Anreiz als eine Hemmschwelle dar und deshalb tue ich es.

Ich schreibe heute über Männer.

Und zwar darüber, was wir an Männern lieben, was wir bewundern und wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken. Bzw. was wir Mann 2.0 abverlangen.

Das „wir“ wähle ich, um mich in der Masse der Frauen zu verstecken, die ungefähr genauso heterogen ist wie die Masse der Männer, die ich jetzt alle über einen Kamm schere. Deshalb ist es von vornherein ein kalkuliertes Risiko, dass ich alle Frauen in einen Topf schmeiße und mir anmaße zu beschreiben was sie alle gleichermaßen vom Stereotyp Mann erwarten.

Gegenwind vorprogrammiert.

Um es vorweg zu nehmen. Ich möchte nicht tauschen. Was wir Mann 2.0 abverlangen ist unmenschlich. Frauen heutzutage sind weniger kompromissbereit und anspruchsvoller als sie es je in der Vergangenheit waren. Anspruchsvoll im Sinne von „voller Ansprüche“, die sie an Männer, aber auch an sich selbst richten.

Die Kombination aus „weniger kompromissbereit“ und „anspruchsvoller denn je“ hat es in sich. Diese Mischung führt im Ergebnis dazu, dass wir mehrere Männer in einem Mann haben wollen. Phasen- und Situationsabhängig gerne immer eine andere Facette.

Aber dabei natürlich immer denselben Mann.

Also: Wenn wir einen Mann kennenlernen und uns in ihn verlieben sollte er bitte erstmal Macho sein: Beliebt, hard-to-get, nicht sofort interessiert, aber interessant. Humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich, unabhängig, freiheitsliebend und wild.

Sobald wir dann sein Herz erobert haben, hätten wir gerne den Gentleman. Immer noch humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich und interessant, aber statt unabhängig, freiheitsliebend und wild bitte charmant, zuvorkommend, tiefgründig, aufmerksam und sehr an uns und unserem Leben interessiert. Ach ja und natürlich intelligent. Das gilt natürlich in jeder Phase. Er sollte Entscheidungen rational treffen, aber auch Emotionen zeigen können. Wir wollen uns bei ihm anlehnen können, aber gleichzeitig auch sagen dürfen wo es lang geht. Er soll uns ungeschminkt bildhübsch und natürlich, und geschminkt sexy und attraktiv finden. Er soll romantisch sein. Er soll Actionfilme lieben, aber mit uns Notting Hill auf DVD sehen. Er soll kochen können, aber bitte keine Rezepte mit seinen Freunden austauschen.

Im Rahmen unserer beruflichen Karriere möchten wir gerne den Teamplayer: verständnisvoll, hilfsbereit, bewundernd, aufmunternd. Denjenigen, der uns das Gefühl gibt unsere Karriere sei genauso wichtig wie seine. Der uns alle Freiheit gibt uns zu entfalten und uns unterstützt voranzukommen. Der uns nicht bremst, sondern stolz auf uns ist.

Wenn wir dann Kinder haben, möchten wir gerne die Allzweckwaffe: Beruflich erfolgreich genug, um die Familie zu versorgen, aber gleichzeitig bitte auch genug Zeit, um für die Kinder da zu sein. In dieser Phase erwarten wir permanente Dankbarkeit für alles, was wir rund um Haushalt und Kind leisten, Verständnis für schlechte Laune, Verständnis für unsere post-Schwangerschaftsfigur, die Einsicht, dass er als Mann eigentlich ein viel einfacheres Leben hat, weil er ja keine Kinder bekommen kann und nicht so fremdgesteuert ist wie wir, Geschenke und spontane Aufmerksamkeiten in Form von Blumensträußen und Wellness-Wochenenden, aktive Mithilfe bei den Kindern vor allem nachts und früh morgens am Wochenende. Akzeptanz für unsere Müdigkeit, aber bitte kein Vorschützen der eigenen.
Ach ja: und natürlich sollte Mann auch in dieser Phase immer noch humorvoll, schlagfertig, leidenschaftlich, interessant, charmant, zuvorkommend und tiefgründig sein. Das ist ja sozusagen das Grundrauschen, was immer gilt. Denn wir wollen schließlich nicht in dieser für uns so anstrengenden Phase auch noch sagen müssen „Damals als ich mich in Dich verliebt habe warst Du viel liebevoller und aufmerksamer und…“

Wenn wir dann beruflich wieder durchstarten wollen, soll Mann bitte nicht den Hausmann spielen und uns anbieten die Kinder und den Haushalt zu übernehmen. Er soll uns aber natürlich den Rücken stärken, bei den Kindern unterstützen, plus „all of the above“. Aber bitte nicht Karriere auf Kosten unserer Karriere machen. Und schon gar nicht glauben, seine wäre wichtiger. Und bitte auch nicht seine Karriere wichtiger finden als die Kinder. Oder gar uns.
Denn gerade in dieser für uns so herausfordernden und anstrengenden Kind & Karriere – Phase möchten wir den best-of-all-worlds Mann an unserer Seite haben. Ausgeglichen, entspannt, beruflich erfolgreich, liebevoll, aufmerksam. Denjenigen, der seine Familie an erste Stelle stellt, im Job befördert wird und uns jeden Tag das Gefühl gibt, die absolute Traumfrau zu sein.

Liebe Männer: ich möchte nicht tauschen.

Wonderwoman ist nichts dagegen.